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Samstag, 22. Februar 2014

Teil 42 - Monster

Vorher: Teil 41 - Schlaflos

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Klaus hielt Wort. Unter dem Vorwand weiter nachzuforschen warum Terry die Vergiftung überlebt hatte, suchte er nach einer Möglichkeit Friederikes Anfälle zu unterbinden. Allerdings wusste er bereits seit einiger Zeit was genau Terry das Leben gerettet hatte, es waren die Alienhormone für die Schwangerschaft. Offensichtlich hatten sie dauerhaft etwas in Terry verändert, das ihn immun gegen gewisse Stoffe machte.
Klaus hatte Friedbert nie erzählt dass er das Geheimnis längst gelüftet hatte. Er war sich sicher, Terrys Leben würde wieder in Gefahr sein und vielleicht auch sein Eigenes, wenn Friedbert sie beide nicht mehr brauchte.




Also behielt er alles für sich und nutzte sein Wissen um an einem Medikament für Friederike zu arbeiten. Die Wahrscheinlichkeit war gegeben, dass auch ihr Körper noch von den fremden Hormonen beeinflusst wurde.
Auch hatte er sehr wohl mitbekommen, dass der Zustand der jungen Frau immer instabiler wurde, je mehr Zeit verstrich. Klaus vermutete, dass sich sämtliche Prozesse in ihrem Körper beschleunigt hatten. Was er nicht wusste war, ob es nach der Pubertät aufhören würde, oder ob sie in der Blüte ihrer Jahre sterben würde – als frühzeitig gealterte Frau.




Während Klaus im Labor forschte, schlich Friederike so oft es nur ging in den Rechnerraum um ihren Teil der Abmachung zu erfüllen.
Allerdings war das Zugangssystem kompliziert und in einer eigenen Programmiersprache geschrieben, die Friederike erst lernen musste. Trotz aller Mühe und trotz ihrer überragenden Intelligenz stieß sie immer wieder auf unerklärliche Schwierigkeiten und ihre Arbeit ging nur langsam voran.




Ihre Verzweiflung ließ Friederike immer aggressiver werden. Schon bald tobte sie vor Terrys Tür, weil sie diese nicht öffnen konnte. Ihre Wutschreie und Tritte gegen das massive Holz hallten durchs ganze Haus.




So bekam Friedbert mit das seine Tochter sich über seine Anweisungen hinweggesetzt hatte und stürmte nach oben. Wütend über ihr Vergehen gab er ihr eine Ohrfeige, ungeachtet seiner enormen körperlichen Kraft.
Klaus versuchte einzugreifen und den wütenden Mann zu beschwichtigen.
„Sie kann nichts dafür! Sie kann es nicht kontrollieren!“
Schwer atmend vor Zorn, wandte Friedbert sich Klaus zu, der unwillkürlich zurück wich. Endlich öffnete er die Fäuste und stapfte davon.
„Dann soll sie es lernen!“




Als Friedbert außer Sicht war, versuchte Klaus das aufgelöste Mädchen zu trösten.
„Lass uns nach Deinem Gesicht sehen. Vielleicht habe ich etwas womit wir das versorgen können.“
Friederike tastete vorsichtig nach ihrer Wange.
„Ist es sehr schlimm?“
Klaus setzte das Mädchen auf die Couch im kleinen Kaminzimmer.
„Nichts kann ein hübsches Gesicht verschandeln“ neckte er sie und ging ins Bad nebenan um nach einer Salbe zu suchen.
Friederike fühlte ihre Ohren rot werden.




Während Friedbert seine Tochter durch Ermahnungen und Arbeit zur Räson bringen wollte, versuchte Klaus es auf eine andere Weise. Er bot an ihr das Klavierspielen beizubringen, in der Hoffnung die Musik würde wie eine Therapie bei ihr wirken.
Friederike zögerte zunächst. An so etwas Delikates wie ein Musikinstrument hatte sie sich noch nie herangewagt. Sie wusste genau, einen Anfall ihrerseits würde das teure Instrument nicht unbeschadet überstehen. Doch Klaus ließ ihr keine Wahl und überredete sie. Wer Nacht für Nacht auf dem Dach ausharrte und den Grillen lauschte, der musste auch empfänglich für Musik sein.




Er sollte Recht behalten. Friederike lernte schnell und waren ihre Anschläge zunächst unkoordiniert und hektisch, so schien sie das Spiel tatsächlich zu beruhigen. Und wenn ihre Finger doch mal hart auf die Tasten knallten um ihren Frust zum Ausdruck zu bringen, legte Klaus seine Hand darauf, bis die Wärme, die davon ausging, sie wieder entkrampft hatten.




Manchmal lagen sie vor dem Kamin, die Bücher vor ihnen ausgebreitet und lasen, oder lernten.
Während ihr Vater sie weiter mit seinen Experimenten quälte, versuchte Klaus ihren Geist mit Poesie abzulenken. Friederike war erstaunt wie man Worte noch verwenden konnte, nicht nur für harte Fakten, sondern auch um das auszudrücken, das ihr noch viel zu fremd war: Gefühle und Sehnsüchte.
Klaus stellte gerade das Glas mit seinem geliebten Rotwein zurück auf den wertvollen Teppich, das Aroma so lange wie möglich haltend und genießend, als Friederike ein einzelnes Blatt Papier aus ihrer Mappe nahm und ihm vorsichtig zu schob. Klaus sah auf ihre nervöse Schrift und lächelte.
„Was ist denn das?“
Friederike räusperte sich verlegen.
„Ist nicht Rilke, ich weiß.“




Klaus las ihre selbst gedichteten Verse, dann sah er wieder auf und lächelte noch tiefer.
„Nicht Rilke, aber Rike. Das ist noch viel besser.“
Friederike spürte ihre Wangen glühen und wandte verlegen den Blick ab.
Sie hörte so gerne wenn er sie so nannte.




Friedbert sollte das alles nur Recht sein, war eine ruhige Friederike doch eine produktive Friederike. Zum Glück wusste er nicht wie produktiv sie war.
Beharrlich arbeitete sie am Hacken des Zugangssystems weiter, wenn Friedbert aus dem Haus war und Klaus schlief. Und wenn ihr Geist Ruhe von all der Arbeit brauchte, saß sie wieder auf dem Dach und genoss die Nacht.




Immer öfter bekam sie dabei Gesellschaft.
Friederike realisierte dass sie sich freute, wenn Klaus die Treppe heraufkam um mir ihr gemeinsam in die Sterne zu schauen. Es schien ihn nicht zu stören, dass sie besser in Astrophysik war als er. Er neckte sie wenn sie zu sehr mit ihrem Wissen prahlte, doch er war nie eifersüchtig. Er ging auf sie ein, bot ihr aber auch Kontra. Er nahm sie ernst, gab ihr das Gefühl eine reale, vollwertige Person zu sein, nicht nur ein Aushängeschild, oder eine Laborratte.




Manchmal lagen sie einfach nur stumm nebeneinander und sahen nach oben. Manchmal trafen sich ihre Blicke und es war beiden, als würden sie sich ohne ein einziges Wort verstehen.
Und manchmal waren sie sich so nah, dass sie die Wärme des jeweils anderen spüren konnten.




Doch so schön die gemeinsame Zeit auch war, irgendwann musste Klaus ins Bett. Und immer öfter schlich Friederike ihm nach, weil sie sich ohne ihn einsam fühlte.
Sie bewegte sich so lautlos, dass er nicht merkte wie sie sich in sein Zimmer schlich und ihn beobachtete. Manchmal jedoch schien er zu lächeln und Friederike wunderte sich, ob er ihre Anwesenheit im Schlaf spüren konnte.
Sie konnte die ganze Nacht so dasitzen und den schlafenden Mann beobachten.
Schlaf war etwas, das sie nicht mehr kannte. Sie kannte nicht mehr das Gefühl erholt aufzuwachen, oder gar zu träumen. Also beobachtete und beneidete sie ihn um seine Fähigkeit den Wahnsinn des Alltags für ein paar Stunden zu vergessen.




 
Da war noch etwas, was sie hierher trieb.
Es war dieses Gefühl, das sie nicht benennen konnte. Das Leuchten auf seiner Haut, wenn das Mondlicht durchs Fenster fiel. Das Spiel der Muskeln darunter, wenn er sich im Schlaf bewegte. Das Verlangen ihn vorsichtig zu berühren.
All die Dichtkunst, die Klaus ihr zeigte, sprach von diesem Gefühl, das sie bei dem Anblick empfand. Doch sie wusste nicht damit umzugehen.




Trotz alldem, trotz all der Mühe, die Klaus sich gab um sie abzulenken, bekam Friederike ihre Wutanfälle nicht in den Griff. Sie begann weiterhin ohne Vorwarnung zu toben und hätte wohl schon das halbe Mobiliar zertrümmert, wenn er sie nicht aufgehalten hätte. Das er sich damit selbst in Gefahr brachte war ihm sehr wohl bewusst, er konnte sie im Gegensatz zu früher kaum noch festhalten.
Friederike war noch größer und stärker geworden.




Abends ging Friederike wie gewohnt aufs Dach, nachdem ihr Vater das Haus verlassen hatte. Normalerweise würde Klaus später nachkommen, doch diesmal stand er bereits an den Zinnen, in die Nacht hinaus starrend, wie sie es sonst tat, wenn sie auf ihn wartete. Sie trat neben ihn und er drehte ihr den Kopf zu.
Sie vermisste das Lächeln, das sich normalerweise zeigte, sobald er die junge Frau sah. Stattdessen sah sie Besorgnis.




„Fühlst Du Dich wieder besser?“ erkundigte er sich, nachdem sie sich nach ihrem letzten Anfall in ihrem Zimmer eingeschlossen hatte.
„Ich denke schon“ gab sie unsicher zurück und verfiel danach in Schweigen.
Klaus wendete sich vollends um und studierte ihr Gesicht. Erschöpfung zeichnete sich darin ab, der letzte Anfall war schlimm gewesen. Er wünschte sie könnte schlafen und sich davon erholen.
„Es war heftig diesmal“ unterbrach er das Schweigen. „Ich wünschte wirklich, ich käme besser voran.“




„Du tust doch was Du kannst“ gab Friederike hilflos zurück und Klaus musste den Wunsch unterdrücken sie in die Arme zu nehmen und zu trösten.
„Es tut mir leid“ sagte er stattdessen leise.
Friederike schüttelte den Kopf. „Dir muss nichts leid tun. Wahrscheinlich kann man nichts dagegen tun. Ich bin eben ein Monster.“
„Du bist nichts weniger!“ widersprach Klaus, kaum das sie geendet hatte. „ER ist das Monster, weil er Dich so behandelt. ER ist für Deine Konstitution verantwortlich. ER, nicht Du.“
Seine Stimme wurde leiser. „Und ich bin auch eines, weil ich ihm geholfen habe.“




Überrascht musterte Friederike Klaus, der sich nun beschämt wegdrehte. Das Sprechen fiel ihm plötzlich schwer.
„Friedbert“ erklärte er weiter, „Er... Das Gift, für Deinen anderen Vater... das hat er von mir.“
Friederike starrte den Mann vor sich an. „Was sagst Du da?“
Klaus atmete tief durch.
„Ich sagte doch... schwerer Fehler. Ich... war so dumm und habe ihm alles geglaubt. Jede einzelne Lüge.“
Friederike brauchte einen Moment um ihre Gedanken zu ordnen.
„Du meinst... mein Vater wollte... Daddy umbringen?!“ stieß sie hervor, endlich die Bedeutung der Worte begreifend.
Klaus nickte.
„Er hatte mir die tollsten Geschichten erzählt, dass Terry den Tod verdienen würde und all das. Und ich habe ihm geglaubt. Ich wollte ihm glauben. Ich dachte, das war ein geringer Preis für das, was ich bekommen würde.“




Sie starrte ihn an.
„Und was solltest Du bekommen?“
Klaus schloss kurz die Augen, dann schüttelte er den Kopf.
„Das ist nicht mehr wichtig. Wichtig ist, das ich endlich die Wahrheit erkannt habe. Und das ich nicht wie er sein will. Auch wenn das wohl... ziemlich spät kommt.“
Friederike war überwältigt von dem, was sie gerade gehört hatte. Ihre Gedanken glitten zu den vergangenen Wochen, wie passte das alles zu dem Mann, den sie in ihrer gemeinsamen Zeit kennengelernt hatte?
„Wolltest Du mir deshalb helfen? Um es wieder gutzumachen?“
Klaus nickte langsam, froh das sie ihn nicht in der Luft zerrissen hatte, auch wenn er es dreimal verdient hatte.
„Unter anderem.“




 
Friederike musterte ihn stumm und das tat Klaus mehr weh, als wenn sie ihn angeschrien, oder zu Mus geschlagen hätte. Denn dass sie das gekonnt hätte, das war ihm bewusst. Er hätte sich wohl nicht mal gewehrt.
„Daddy... ist er okay?“ brach sie irgendwann das Schweigen.
Klaus nickte. „Die Alienhormone haben ihn immun gemacht.“
„Dann wird mein Vater sich was anderes einfallen lassen“ schlussfolgerte Friederike traurig.
„Nein, er wartet immer noch auf das Ergebnis der Nachforschungen.“




Friederike drehte erstaunt den Kopf zurück zu ihm.
„Du hast es ihm nicht gesagt? Warum?“
Klaus zuckte leicht mit den Schultern.
„Weil ich zum Glück wieder bei Verstand bin.“
Sie nickte langsam und ihr Blick schweifte wieder in die Dunkelheit.
Da sie nichts mehr sagte, wollte Klaus sich zum Gehen wenden, akzeptierend dass das, was sich zwischen ihnen entwickelt hatte, nun passé war. Wenigstens war sein Gewissen erleichtert, auch wenn er dafür einen hohen Preis zahlen musste.
„Wie viele Meter es wohl da runter sind?“




Klaus stoppte mitten in der Bewegung als er ihre Worte hörte und sah zurück. Friederike stand dicht an den Zinnen. Ohne Nachzudenken eilte er zu ihr und zog sie an sich.
Sie wehrte sich nicht, doch sie nahm den Blick nicht vom Boden unter ihr.
„Denk nicht mal dran“ versuchte Klaus sie abzulenken. „Nichts ist das Aufgeben wert, gar nichts. Weder er, noch ich.“
Friederike spürte die Wärme seines Körpers, die Sicherheit, die seine Arme boten. Sie spürte wieder dieses Gefühl, welches sie überkam, wenn sie zusammen waren. Sie wollte es nicht aufgeben, sie konnte nicht ohne ihn sein, egal was er getan hatte.




„Ich bin eine Gefahr für Dich“ gab sie trotzdem zu bedenken.
„Das ist mir egal“ wisperte er in ihr Ohr. „Ich weiß auf was ich mich einlasse.“
„Und wenn ich Dich verletzte?“
„Das wirst Du nicht. Wenn Du mir nur verzeihst, alles andere ist mir gleich.“
Endlich schmiegte sie sich in seine Arme und Klaus schloss ihren Körper darin ein. Glücklich, dass sie trotz Allem seine Gefühle zu teilen schien, schaute er mit ihr in die Sterne.




Friederike saß diese Nacht nicht neben ihm auf dem Bett, sondern hielt ihn in ihren Armen, seinen Schlaf bewachend. Das Mondlicht beschien sie nun beide und wenn Klaus sich beim Träumen bewegte, spürte sie es.
So wollte sie es von nun an immer haben. Nichts gab ihr mehr Frieden und innere Ruhe, als seine Nähe und Wärme und sein Vertrauen.





Am nächsten Morgen war sie verschwunden. Klaus wusste, Friedbert rief immer schon früh nach ihr. Er schwang die Beine aus dem Bett und starrte aus dem Fenster, ins Morgenrot. Würde Friedbert für immer ihr Leben bestimmen? Wie würde es mit Friederike und ihm weitergehen? Sie war noch jung, das wusste er. Er würde warten und ihr die Entscheidung überlassen, ob sie bei ihm bleiben wollte, oder nicht. Doch dazu mussten sie beide frei sein.
Klaus ging ins Bad um sich für den Tag frisch zu machen. Er würde mit Friedbert reden.





Er fing ihn im Labor ab.
„Ich muss mit Dir sprechen.“
Genervt musterte der andere Blonde Klaus.
„Ich habe keine Zeit zum Reden. Und Du auch nicht, da wartet eine Menge Arbeit!“
„Verdammt nochmal, Friedbert!“ fuhr Klaus auf. „Hast Du jemals etwas Anderes im Kopf als Arbeit? Und wenn nicht, könntest Du Dir vorstellen das andere Sims gerne ein Leben hätten, außerhalb des Labors?!“
Friedbert musterte Klaus misstrauisch, sich über dessen plötzlichen Aufstand wundernd.
„Von was redest Du? Es war klar das wir hier nichts Anderes tun würden als arbeiten. Oder für was hast Du selbst ein Labor hier eingerichtet?“




„Für Forschungen natürlich, was denn sonst“ gab Klaus zurück. „Aber darum geht es hier nicht. Du sperrst uns ein, das ist Freiheitsberaubung! Von dem was Du mit dem armen Tropf dort oben gemacht hast, nicht zu sprechen! Was hat er Dir getan Friedbert? Sags mir, denn Deinen Lügen glaube ich kein Wort mehr.“
Friedberts Brauen zogen sich immer mehr zusammen, je mehr Klaus sich in Rage redete.
„Das geht Dich nichts an. Und nun tu was ich Dir gesagt habe und das ein wenig schneller, ich verliere nämlich langsam die Geduld!“





„Dann wirst Du lernen müssen Geduld zu haben! Denn ich habe keine mehr mit Dir! Ich mache Deine Spielchen nicht mehr mit, ich habe genug von Deinem Wahnsinn!“
In Friedberts Augen begann es zu glitzern, was Klaus jedoch in seiner Aufregung nicht wahr nahm.
„Was willst Du damit sagen?“ fragte er gefährlich ruhig.
„Lass uns gehen“ forderte Klaus. „Du kannst das verdammte Haus und das Labor haben. Werd damit glücklich.“
Friedbert ballte die Fäuste. „Kommt nicht in Frage“ zischte er. „Die beiden gehören mir, ich kann mit ihnen machen was ich will!“





„Das kannst Du nicht“ gab Klaus entschlossen zurück. „Friederike kommt mit mir, wenn sie mich will.“
Endlich begann Friedbert zu verstehen.
„Du Mistkerl vergreifst Dich an meiner Tochter?!“
„Ich habe nichts getan wessen ich mich schämen müsste“ fauchte Klaus zurück. „Du jedoch, solltest Dich wirklich in Grund und Boden schämen, für das was Du ihr und ihrem Vater angetan hast. Weißt du eigentlich was mit ihr passiert, dank Deiner Experimente, Deiner Mittelchen um einen Supermenschen zu züchten? Nein, denn das kümmert Dich nicht. Sie ist fast erwachsen, körperlich und geistig. Aber Du hast sie ihrer Kindheit beraubt und vielleicht auch ihres restlichen Lebens. Wenigstens das soll sie in Frieden verbringen können. Wir packen unsere Sachen, wenn wir fertig sind, finden wir die Eingangstür geöffnet vor!“





Klaus wollte sich an Friedbert vorbei drücken um das Labor zu verlassen, doch der Mann ließ ihm keine Chance dazu. Ein harter Stoß vor den Brustkorb ließ ihn zurücktaumeln und nahm ihm den Atem. Verzweifelt schnappte er nach Luft um sich zu wehren, doch da bekam er schon den nächsten Stoß.
Friederike, die vom Geschrei der Männer angelockt wurde, sah mit Entsetzen, wie Friedbert auf seinen Widersacher losging.





Der nächste Stoß folgte so schnell und hart, dass Klaus zu Boden ging. Friederike versuchte ihren Vater aufzuhalten, doch Friedbert schob sie einfach zur Seite, so sehr sie auch auf ihn einschlug und schrie.
Klaus lag benommen am Boden. Wie ein großer, schwarzer Schatten kam Friedbert über ihn.
„Sie gehört mir“ zischte er und packte den hilflosen Mann.
Ein hässliches Knacken war das Letzte, das Klaus noch hörte und spürte.





Mit einem Aufschrei ließ sich Friederike auf die Knie fallen.
„Was hast Du getan!“
Angewidert wandte Friedbert sich ab.
„Er hat es verdient. Das bekommt man, wenn man sich gegen mich stellt, also pass auf was Du tust!“
Friederike hörte nicht das Schlagen der Tür, als ihr Vater den Raum verließ. Blind vor Tränen tastete sie über den leblosen Körper, der ausgestreckt vor ihr lag, rüttelten sacht an ihm, in der Hoffnung Klaus würde seine Augen wieder aufschlagen und sie mit seinem Lächeln necken.
Doch nichts würde ihn jemals wieder Lächeln lassen.





Irgendwann erhob Friederike sich mit schmerzenden Knien. Sie wusste nicht wie lange sie dort ausgeharrt hatte, sie wusste nur, hier, auf dem kalten Steinboden, konnte er nicht bleiben.
Sie hob seinen zerbrochenen Körper vorsichtig auf ihre Arme, sein Gewicht kaum spürend. Langsam, fast vorsichtig als habe sie Angst ihn zu wecken, trug sie Klaus nach oben.





Sie legte ihn auf seinem Bett ab und weinte. Sie trauerte um all das, was er ihr gegeben hatte, um die Musik, die Sterne, die Poesie. Sie trauerte um seine Scherze, die täglichen Neckereien, seine Geduld. Sie trauerte um die Wärme, die sie umgab, nur weil er einfach bei ihr war. Und sie trauerte um dieses Gefühl, das sie kennengelernt hatte und dessen Bedeutung sie jetzt endlich verstand, jetzt, wo die Quelle nicht mehr da war.
Sie trauerte um ihre Liebe.





Eine herrische Stimme ließ sie aufschrecken, Friedbert rief nach ihr. Ein Zittern lief durch ihren Körper bei dem Klang und weckte ein neues Gefühl in ihr, eines, das dem anderen in seiner Stärke und Macht in nichts nachstand.
Mechanisch löste sie sich von dem Körper, den sie umklammert hielt und richtete sich auf.
Doch es war nicht mehr das Mädchen, das dort stand, es war eine Frau, die nur noch eines fühlte: kaltblütigen Hass.





Sie hörte Friedbert nebenan nach ihr rufen. Zielstrebig ging sie auf ihn zu und packte ihn an der Kehle, seinen Körper mit eben jener Kraft zu Boden schmetternd, die auch den Mann zerstört hatte, den sie liebte.





Ihre Finger schlossen sich wie Stahlklammern um den Hals ihres Erzeugers. Friedbert spürte dass er keine Chance mehr gegen sie hatte und nackte Angst schlich sich in seine Augen.
Und während sie immer erbarmungsloser zudrückte und das Leben unaufhaltsam aus Friedberts Körper wich, verging der letzte Rest der Wärme und Liebe, die Klaus in Friederikes Herz gepflanzt hatte.



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Sonntag, 9. Februar 2014

Teil 40 - Wagnis

Vorher: Teil 39 - Entscheidung

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Niels störte sich nicht am lauten Summen der neuen „Alten Tante“. Die Zeitmaschine hatte sich total verändert, seit sie unter Terrys Leitung umgebaut wurde. Sie war nun leistungsstärker, aber auch komplizierter geworden. Dafür war die Fehlerquote gesunken. Niels Programmierarbeit hatte einen guten Teil dazu beigetragen und er wusste in- und auswendig was sie leisten konnte, und was nicht. Auch deswegen verwarf er all die Bedenken, die er seinem Vater einst vorgehalten hatte.
Er gab die richtigen Zeitkoordinaten ein und das Summen der Maschine wurde lauter.
Es war soweit.


Er wollte gerade den Countdown starten und in die Maschine springen, als unerwartet die Tür aufging und er Gesellschaft bekam.
Patrick hatte Justin im Schlepp und grinste.



„Das gerade Du denken würdest ich wüsste nicht was in meinem Labor vorgeht“ zog er Niels auf. „Ich sollte wirklich böse mit Dir sein.“
„Bist Du nicht?“ gab Niels ungläubig zurück, hatte er doch erwartet Patrick würde ihm sofort die Kündigung unter die Nase halten, wenn er bemerken würde was sein Angestellter treibt.



Patrick ging um die Steuerkonsole herum. Er wurde ernst.
„Nein, bin ich nicht. Terry ist mein bester Techniker und vor Allem mein Freund. Wir haben den Laden hier hochgezogen. Du hast die beste Steuersoftware geschrieben, die ich je gesehen habe. Und Justin würde mich köpfen, wenn ich ihm verweigern würde seinen Freunden beizustehen.“
Er grinste wieder.
„Du siehst, mir bleibt nichts anderes übrig, als die Reise offiziell als Trainingslauf zu genehmigen.“




Ungläubig sah Niels von einem zum anderen, dann schloss er seinen Kumpel in die Arme.
„Du willst wirklich mitkommen?“
„Du weißt genau, Zeitreisen dürfen nur zu zweit unternommen werden. Also versuch es mir erst gar nicht auszureden.“
Dankbar drückte Niels den Hybriden ein zweites Mal.
Patrick überprüfte ein letztes Mal die Einstellungen.
„Macht Euch bereit. Es ist Zeit.“




Patrick deaktivierte das Energiefeld, das die Maschine schützte und sie betraten die Plattform.
Aufregung machte sich in den Männern breit. Würde ihr gewagtes Unternehmen gut verlaufen?
 



Niels ging auf seine Position und beobachtete wie Patrick seinen Sohn fest umarmte.
„Stellt mir bloß keinen Blödsinn an, hört ihr“ ermahnte er die Beiden. „Ich will mich nicht in einer anderen Zukunft wiederfinden und nichts davon wissen.“
„Keine Sorge, Dad“ versicherte Justin ihm. „Wir wissen was wir tun.“
„Das hoffe ich“ gab Patrick mit schwankender Stimme zurück und eilte an die Konsole.
Er startete den Countdown und das Summen wurde zu einem unerträglichen Dröhnen.




Justin und Niels schlossen die Augen, als die Maschine zu arbeiten begann. Schwindel machte sich in ihnen breit, als die starken Energien flossen, die sie in eine andere Zeit katapultieren sollten.




Sie waren nichts mehr als ein Spielball der Kräfte und Elemente, die sämtliche bekannten Naturgesetze aushebeln sollten.



  
Ein letztes, grelles Aufleuchten...




… und die jungen Männer waren verschwunden.
Alles was Patrick jetzt tun konnte, war warten.



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Ein paar Jahre früher tauchten unweit des Kurioshauses zwei junge Männer in merkwürdigen Anzügen auf, die sich beeilten an den Mauern des Gebäudes Deckung zu suchen. Familie Kurios bekam zum Glück nichts davon mit. Nachdem es ruhig zu bleiben schien, kroch der eine vorsichtig zur Tür und spähte durch das Glas. Der andere blieb an der Ecke zurück zu allen Seiten sichernd, doch dann siegte die Neugierde.
„Was siehst Du?“ raunte er seinem Kollegen zu.
„Deinen Bruder mit seinem Mann beim Fernsehen“ gab Justin leise zurück. „Dann dürfte Dein Vater wohl auch irgendwo sein, oder denkst Du er schläft schon?“
„Ist noch zu früh, wenn ich mich nicht irre hat er um diese Zeit immer Krimis gesehen.“
Justin schnaufte, erschien ihm Terrys späteres Abenteuer spannender als eine Fernsehshow. Aber davon konnte Niels Vater nichts wissen. Er kroch zurück zu seinem Freund.
„Okay, dann los. Ehe der Krimi zu Ende ist.“




Sie huschten an der Hausmauer entlang, bis zu Friedberts und Terrys Schlafzimmer. Niels knackte das Schloss während es diesmal an Justin war den Aufpasser zu spielen.
'Ein Verbrechen um einem Verbrecher auf die Spur zu kommen' dachte Niels sarkastisch. Es knackte leise unter seinen Finger und er atmete tief durch, als er die Tür aufschob. Wenn nur alles gut ging.
 



Rasch machten sich die beiden Zeitreisenden an die Arbeit. Flink huschten Niels Finger über die Tastatur von Friedberts Computer, während Justin das Zimmer auf die herkömmliche Weise durchsuchte. Er hatte Mühe alles so zu hinterlassen, dass nicht auffiel das jemand Unbefugtes hier war. Doch bei aller Mühe blieb seine Suche ergebnislos.
Niels fand die Aufzeichnungen über Terrys Schwangerschaft und alle anderen Forschungsergebnisse, die Pascal nur wenig später in seiner Wut löschen würde. Es würde Stunden dauern alles zu lesen, also konzentrierte sich Niels auf Emails und sonstige Dateien. Doch offensichtlich interessierte sich Friedbert nur für Alienhormone, alles was Niels fand hatte einen rein wissenschaftlichen Bezug.
 



Plötzlich erklang das Geräusch von Flip-Flops auf Fliesen, das rasch näher kam. Niels schaffte es gerade noch den Computer auszuschalten, dann huschte er hinter die Kommode. Justin blieb nur der Schreibtisch und er betete zu den Göttern im Universum, dass wer auch immer das Zimmer betrat, seine große Gestalt nicht sehen würde.
Es war Terry, der auf der Suche nach seinem Lieblingsbuch ins Zimmer kam. Er schaltete die Deckenlampe an, die zum Glück nur spärliches Licht abgab und konzentrierte sich auf seine Suche nach der begehrten Lektüre. Justin rutschte noch etwas tiefer und warf Niels einen verzweifelten Blick zu. 




Das Buch war schnell gefunden und Terry verließ den Raum Richtung Wohnzimmer. Niels sah ihm nach. Entgegen allem was er fühlte, und allem was er gesagt hatte, musste er nun gegen den Drang ankämpfen einfach aufzuspringen und seinem Vater hier, in der Vergangenheit, alles zu erzählen.
Er ballte seine Hand zu einer Faust um sich selbst davon abzuhalten die wichtigste Regel im Zeitreisen zu brechen – eine Regel an die er selbst seinen Vater erinnert hatte. Er durfte sich nicht einmischen, er durfte die Vergangenheit nicht aus einem selbstsüchtigen Grund ändern, ohne die Konsequenzen zu kennen.
Außerdem würde sein Vater sich wohl ziemlich wundern, dass sein Sohn, der eigentlich auf dem College sein sollte, als erwachsener Mann in seinem Zuhause herumgeisterte.




Die Tür des Schlafzimmers fiel zu und Niels schloss für einen Moment die Augen. Er fühlte Erleichterung und Bedauern, doch verdrängte Letzteres schnell wieder. Justin kroch zu ihm und raunte: „ Mann, das war knapp. Lass uns verschwinden, ehe noch jemand auftaucht, Dein Stiefvater zum Beispiel.“
Niels machte ein Gesicht als hätte man ihn geteert und gefedert und schlüpfte lautlos durch die Tür nach draußen. Er huschte zur Rückseite des Hauses, Justin auf seinen Fersen.
„Wir waren bisher nicht sehr erfolgreich“ bemerkte der Hybride. „Was nun?“
Niels starrte zu den letzten Häusern an der Straße nach Nirgendwo. Er deutete zu einem großen Betonkomplex am Ende des Städtchens.
„In die Höhle des Löwens. Zu meinem...“ Er presste die Lippen aufeinander.
„Wo Friedbert arbeitet.“




Entschlossen lief Niels den sandigen Hügel hinunter. Justin holte ihn im Tal ein.
„Bist Du Dir sicher? Ein Privathaus zu knacken ist ein Ding, aber das hier ist eine Forschungseinrichtung. Die haben uns in zwei Sekunden.“
Niels sprang über das Geländer des Außenbereichs und spähte durch die Tür ins Innere der Cafeteria.
„Pascal meinte, die Wachmannschaft damals interessierte sich eher für die Play-Offs als für die Sicherheit in dem Gebäude, wir müssen nur die Kameras beachten.“
Ehe Justin sich an die Mauer drücken konnte um irgendwelchen Objektiven auszuweichen, war Niels schon durch die Tür. Er folgte ihm rasch, darauf vertrauend das sein Freund wusste was er tat.




Die Cafeteria war leer. Justin spähte durch die nächste Tür, die zu den Aufzügen führte, vorbei an der Wachmannschaft. Er konnte einen der Männer schemenhaft durch eine weitere Glastür, die zur Empfangshalle führte, erkennen.
„Und wie kommen wir an denen vorbei?“
„Die sind kein Problem. Wir warten einfach bis sie sich wieder auf das Spiel konzentrieren, das sie auf ihren Monitoren ansehen...“ Niels tippte auf einem Gerät herum, das einem Handheld ähnelte. „Wir sollten uns eher Gedanken um die restlichen Kameras machen, falls sie doch einmal auf die Idee kommen ihre Arbeit zu tun.“
„Wie ich Dich kenne, arbeitest du bereist an einer Lösung“ bemerkte Justin trocken und beobachtete weiter den Wachmann.
„Yep. Ich hacke die Kameras, dann senden sie das letzte Bild als Loop.“
Offensichtlich war es doch nicht so schlecht sich in seiner Jugend mehr für Computer und Bücher interessiert zu haben, als für Mädchen.




 Sie schafften es an den Football begeisterten Wachmännern vorbeizukommen und durchsuchten das Gebäude nach dem Labor, in dem Pascal und Lars arbeiteten. Es war nicht so einfach wie sie dachten, Wissenschaftler kannten keine Uhrzeit, wenn es um ihre Forschungen ging und sie hatten mehr als einmal Gelegenheit entdeckt zu werden.




Sie fanden endlich den richtigen Raum und Niels machte sich sofort an die Arbeit. Pascal konnte sich dank seines hervorragenden Gedächtnisses noch an die Passwörter der vergangenen Jahre erinnern, also brauchte sein Schwager nicht lange, bis er Zugriff auf seine Daten hatte, auch auf die der Netzlaufwerke.
 



Doch viel nutzte es nicht. Offensichtlich hatten Friedberts Brüder ebenso nur begrenzte Zugriffsrechte wie jeder andere Wissenschaftler auch und Niels kam nicht auf die wirklich interessanten Bereiche.
„Vielleicht wenn Du Dich direkt auf die Server hackst, Du weißt schon, Emails, Telefonverbindungen, Wireless?“ schlug Justin vor.
Niels seufzte. „Da komme ich von hier aus nicht hin. Das hier ist nur ein dummes Terminal mit beschränkten Rechten.“
„Und wenn wir einen Rechner der IT knacken?“
„Dauert zu lange. Der Techniker hier macht seinen Job ziemlich gut.“
Justin zuckte die Schultern. „Dann knacken wir eben Friedberts Computer. Ich wette, er benutzt hier dasselbe Passwort wie zu Hause.“




Das leuchtete Niels ein und sie schlichen sich in die oberste Etage, wo die IT und das Büro des Chefs waren. Kaum traten die beiden jungen Männer aus dem Aufzug, stoppten sie noch an der Stahltür, die sich leise hinter ihnen schloss.
Sie blickten direkt in Friedberts Büro, wo eben dieser eifrig an einem Bericht schrieb. Zum Glück war er so darin vertieft, dass er nicht mitbekam, was vor seiner Bürotür vor sich ging.
„Verdammt!“ zischte Niels.
„Hier ist es auch nicht besser“ informierte Justin seinen Freund, als er durch eine Glastür in der anderen Richtung sah. „Der Techniker ist auch an seinem Platz.“




Die beiden verschwendeten keine Zeit und fuhren ein Stockwerk tiefer. Sie schlüpften durch eine andere Glastür ins Dunkel des Raumes um unbemerkt ihre nächsten Schritte zu planen.
Warme Luft und das Getöse vieler Lüfter schlug ihnen entgegen, kaum dass sie den Raum betreten hatten. Sie waren im Rechenzentrum des Labs gelandet.
„Genial“ rief Justin gegen den Krach an, als er all die blinkenden Lämpchen und Anzeigen der Server betrachtete. „Kannst Du von hier direkt auf die Maschinen zugreifen?“
Niels betrachtete sich die Reihen voller Rechner ebenfalls.
„Ich kanns versuchen!“




Doch ehe Niels zur Tat schreiten konnte, ging das Licht an. Geblendet von der plötzlichen Helligkeit drängten sie sich in die Nische zwischen Serverracks und Lüftung, in der Hoffnung wer auch immer meinte mitten in der Nacht hierher gehen zu wollen, würde nichts an den letzten Racks zu tun haben.




 
Justin spähte um die Ecke. Es war der IT-Techniker, der eine defekte Festplatte austauschen wollte.
Offensichtlich etwas gemütlicher Natur ließ er sich dabei Zeit, irgendeinen Popsong gegen den Krach der Maschinen pfeifend.




 
Endlich war der Mann fertig und verließ den Raum. Kaum war das Licht verblasst schoben sich die beiden Zeitreisenden aus ihrem Versteck. Niels versuchte sein Möglichstes doch noch an brauchbare Informationen zu gelangen, doch Justin bekam langsam Panik.
„Uns läuft die Zeit davon! Kommst Du nun an diese blöden Rechner dran, oder nicht?“
„Ich bin dran!“ giftete Niels zurück. „Ich bin gut, aber kein Zauberer, verdammt noch mal!“
Justin stöhnte, die Zeit bis sie zurück mussten, im Kopf berechnend.
„Wir müssen die irgendwie von ihren Plätzen weglocken“ drängte er weiter. „Lös Feueralarm aus, oder so was!“
Wild flogen die Finger über das Handheld. Niels tat was er konnte, das wusste Justin. Doch die Zeit drängte. Er rannte aus dem Serverraum.




„Verdammt, wo gehst Du hin!“ hörte er Niels im Headset nach ihm rufen.
„Den Feueralarm auslösen“ gab er zurück, nach einem verlassenen Labor suchend.
„Du willst Feuer legen?!“
„Fällt Dir was Besseres ein?“
Ein Seufzen drang in sein Ohr. „Nein.“
Justin fand was er suchte in einem Labor im ersten Stock. Er durchwühlte die Kühlung nach etwas leicht Brennbarem. Er gab eine als gefährlich markierte Substanz in eine Keramikschale und steckte sie in die Mikrowelle.




Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten.




Der Feueralarm heulte nur Sekunden später und rief die Belegschaft auf den Plan.
Friedbert kam in den Raum gestürzt, die Unachtsamkeit seiner Mitarbeiter aufs Übelste beschimpfend. Der IT-Techniker ließ sich das Spektakel ebenfalls nicht entgehen. Das hier war um soviel spannender als das Computerspiel, mit dem er sich die Nacht versüßte.




Justin beobachtete das Geschehen von einem anderen Labor aus.
„Die Luft sollte nun rein sein“ informierte er seinen Partner.




„Ich bin schon oben“ gab Niels zurück. „Ich hoffe er kommt nicht so schnell zurück.“
„Wird er nicht“ kam die Stimme des Hybriden aus dem Headset. „Der ist viel zu beschäftigt seine Leute zur Schnecke zu machen.“
Niels grinste, dann durchwühlte er Friedberts Schreibtisch. Dieser barst von wissenschaftlichen Schriften, doch nichts davon war für ihr Anliegen von Belang.
Friedbert vergaß seinen Computer abzusperren, als der Feueralarm ihn aufschreckte, so konnte Niels ungestört in seinen Aufzeichnungen stöbern. Er kopierte den Inhalt des Emailpostfaches des vergangenen Jahres auf seinen kleinen Handheld und noch ein paar Kalenderdaten, dann mahnte ihn Justins Stimme zur Eile.
 



Da die gesamte Belegschaft sich immer noch im ersten Stock aufhielt, fuhr Niels kurzerhand mit dem Aufzug nach unten und spazierte einfach aus dem Gebäude heraus. Justin kletterte über einen Balkon zur Straße herunter. Niemand hatte ihr Kommen und Gehen, noch ihre Anwesenheit bemerkt.




So schnell sie ihre Beine trugen rannten die beiden Männer zu der Stelle, an der sie sich in diese Zeit materialisiert hatten. Leise knisternd erwartete sie bereits das Portal zurück in die Zukunft.




Sie tauschten einen erleichterten Blick aus und traten in das Energiefeld...




...welches sie von ihrem Abenteuer nach Hause bringen sollte.



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Freudiger Jubel empfing sie, als sie in ihre Zeit zurückkehrten.
Patrick hatte es nicht über sich gebracht Niels Familie abzuweisen, als sie darauf drangen die beiden Abenteurer zu empfangen. So nutzte er die kleine Verschiebung zwischen Abreise und Rückkehr, um sie ins Labor zu lassen.





Erleichtert schloss er seinen Sohn in die Arme, froh dass sie nicht nur wohlbehalten zurück waren, sondern offensichtlich keinen Schaden im Zeitgefüge angerichtet hatten.
Stella war das gleich. Sie war nur glücklich ihren Mann wieder zu haben und schlang ihre Arme fest um ihn. Niels presste ihren Körper an den seinen und versicherte ihr immer wieder leise, das er in Ordnung sei.





Sanft wischte er eine Freudenträne aus Stellas Gesicht. Doch trotz all der Freude und Erleichterung, die alle Anwesenden fühlten, waren sie gespannt zu erfahren, welche Erkenntnisse Niels und Justin gewonnen hatten.





Während Justin die spannenden Teile der Reise zum Besten gab, suchte Niels auf seinem Handheld nach den Informationen, von denen er glaubte, dass sie ihnen weiterhelfen könnten.
„Friedbert hat seine Emails verschlüsselt“ gab Pascal zu bedenken. „Wenn Du sie auf einen anderen Computer portierst, brauchst Du den richtigen Schlüssel und wenn Du den cracken willst, dauert das ewig.“
„Ich weiß“ erwiderte Niels. „Ich jage sie durch meinen Decoder, den ich die letzten Tage geschrieben habe. Währenddessen überprüfen wir die Notizen, die ich mir aus seinem Kalender gezogen habe.“
„Lasst uns in mein Büro gehen, dann können die Damen sich setzen“ schlug Patrick vor.





Während Lara, Stella und Niels es sich bequem machten, tippte Patrick einige Wörter aus den Notizen in eine Suchmaschine.
„Euer Friedbert ist wohl oft nach Simgermania gefahren?“
„Nicht das ich wüsste“ gab Pascal zurück. „Wieso?“
Patrick deutete auf eines der Schlagwörter.
„Nun der Ort „Kaiserbuckel“ kommt ziemlich oft in seinem Kalender vor.“
„Kaiserbuckel? Sagt mir nichts“ zuckte Lars mit den Schultern.
Patrick forschte weiter im Netz.
„Es heißt eigentlich „Kaiserstuhl“ gab Pascal bekannt. „Ein ehemaliger Vulkan am Rand des Schwarzwaldes in Simgermania. Heute ein sehr gutes Weinanbaugebiet. Ich wüsste nur nicht was Friedbert da gewollt haben könnte, er interessiert sich weder für Wein, noch denke ich dass er diesen Berg überhaupt kennt.“
 



Lars seufzte.
„Dann müssen wir wohl Simterpol einschalten, in Simeropa hat unsere Polizei... Mum!“
Lara war aufgesprungen und krümmte sich vor Schmerz.
„Oh Himmel, nicht, es ist noch zu früh!“





Lars eilte seiner Mutter zu Hilfe, die sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Patrick wählte mit fliegenden Fingern die Nummer des Notarztes.
Sacht drückte Lars seiner Mutter die Hand, ihr versichernd das sie nicht alleine durch das alles gehen müsste.
„Es wird alles gut, Mum. Du musst nur fest daran glauben.“
„Es ist noch viel zu früh“ wisperte sie. „Ich wollte doch das er dabei ist...“
Lars schluckte den Knoten in seinem Hals hinter, der ihm die Luft abzuschnüren drohte.
„Wir finden ihn“ gab er ebenso leise zurück. „Und dann wird er sich nur noch um Dich und das Baby kümmern, das weiß ich.“




Die Ambulanz traf kurz darauf ein und die Sanitäter brachten Lara vorsichtig zum Wagen, der sie ins Strangetown Hospital bringen sollte. Doktor Einsam machte bereits alles fertig was nötig war um Laras und Terrys Baby gesund auf die Welt zu bringen.




Schnell fuhr der Wagen davon. Hilflose Stille breitete sich aus, bis Niels seinem Frust Luft machen musste. Er wusste sich seiner Angst und Sorge um seine Eltern nicht anders habhaft zu werden.
„Verdammt! Da riskiert man Kopf und Kragen, hofft endlich weiter zu kommen und dann kommt der nächste Schlag! Mum ist schon so alt! Was wenn sie das nicht übersteht! Was wenn wir Dad nicht finden! Was wenn wir versagt haben, nach all der Anstrengung!“
Stella musterte ihren Mann stumm. Sie kannte seine Ängste, die aus seiner Kindheit stammten. Sie wusste, Niels war ein Kämpfer und würde immer versuchen sich über diese Ängste zu stellen. Doch wusste sie auch, dass ihr Mann Halt brauchte.
„Ab nach Hause. Du brauchst eine Dusche, etwas zu Essen und Ruhe. Und dann kümmern wir uns um Deine Mutter.“
Und während sie Niels zu ihrem Auto schob, machten Lars und Pascal sich auf den Weg zum Hospital.



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